EIN BLICK IN DIE WELT

Wissenschaftler sind sich einig: Wir leben in einem neuen Zeitalter, dem „Anthropozän“. Die Bedeutung des Begriffs ist so immens wie erschreckend: Keine andere Naturgewalt formt den Planeten, auf dem wir leben, so umfassend und irreversibel, wie der Mensch selbst. Die Konsequenzen dieser Erkenntnis haben die meisten von uns bisher mit Bequemlichkeit, dem Voranbringen der eigenen Karriere, mit Selbstschutz oder ein bisschen Ignoranz verdrängen können, waren sie doch selten hierzulande so spürbar, wie längst in anderen Teilen dieser Welt. Doch immer öfter erleben wir auch in Europa Extremwetterereignisse, werden mit Flucht und Migration konfrontiert und müssen uns jetzt, in genau diesem Moment, fragen: Welchen Planeten wollen wir nachfolgenden Generationen überlassen? In welcher Welt wollen wir zukünftig leben?

Die Prognose von WissenschaftlerInnen auf dem ganzen Globus kann jeden von uns um den Verstand bringen, weil ihre Tragweite gigantisch ist und gegen jede Erfahrung geht, die die Menschheit in all ihren Legenden und Märchen weitergegeben hat: dass die Erde am Ende des Jahrhunderts unbewohnbar wird.

Denn:

Jedes Jahr sterben ca. 50.000 Tier- und Pflanzenarten aus. 100-1.000 Mal mehr als in irgendeiner anderen Epoche der geologischen Geschichte unserer Erde*.
Jedes Jahr verschmutzen wir die Ozeane mit 8 Millionen Tonnen Kunststoff*.
Jedes Jahr verursachen verseuchtes Wasser und verschmutzte Luft 7-8 Millionen Todesfälle*.
Ein Drittel der Landfläche des Planeten besteht inzwischen aus unfruchtbarem Boden*. Tendenz steigend.
Durch die Überfischung und Erwärmung der Weltmeere ist die Lebensgrundlage von drei Milliarden Menschen bedroht, die auf Fisch als wichtigstes Nahrungsmittel angewiesen sind*.
In den nächsten Jahren werden die Gletscher die Hälfte ihrer Masse verlieren. Die Alpen könnten 2100 ein Wüstengebirge sein*.
Die Kohlendioxidemissionen steigen trotz Pariser Klimaabkommen weiterhin jedes Jahr*

… um nur einige der Krisen zu nennen, die die Menschheit als Ganzes betreffen werden.

„Die Klimamodelle mit den schlimmsten Vorhersagen legen die Grenzen des Vorstellbaren fest. Damit können wir uns besser vor Augen führen, was wahrscheinlich ist. Und vielleicht werden sich diese extremen Modelle sogar als gute Wegweiser herausstellen, wenn man bedenkt, dass die Optimisten im letzten halben Jahrhundert nie Recht hatten, was das Klima anging.“ – David Wallace-Wells in „Die unbewohnbare Erde“

Noch nie war das Wissen über die Zustände unseres Planeten so umfassend. Wir hören täglich über Klimakatastrophen in den Nachrichten, wissenschaftliche Artikel sind frei zugänglich und allgemeinverständlich aufgearbeitet, immer öfter spüren wir am eigenen Körper, welche Auswirkungen die Klimakrise auf das Überleben unserer Spezies hat. Und doch, ins Handeln zu kommen, fällt schwer.

Denn – wo sollen wir überhaupt anfangen?

Wo früher die Stammesältesten auf existenzielle Fragen Antworten suchten, scheint sich das Generationenverhältnis nun radikal umzukehren. Millionen Kinder und Jugendliche schließen sich weltweit zusammen, um mit einer unsagbaren Kraft und Vehemenz die Weltgemeinschaft zu kollektivem Handeln zu bewegen. Denn sie haben begriffen: Uns rennt die Zeit davon. Laut IPCC-Bericht bleiben noch 12 Jahre, um die Konsequenzen einer weltweiten Klimakatastrophe abzuschwächen*. Genau so lange, wie hierzulande ein Gymnasialschüler zur Schule geht.

Dabei werden die heute 10-25-Jährigen am stärksten von den tödlichen Folgen dieser Krisen betroffen sein. Deshalb fordern sie von den vorangehenden Generationen sofortige und verbindliche Klimaschutzmaßnahmen auf politischer, aber auch auf privater Ebene. Um auf sich und ihre Forderungen aufmerksam zu machen, rebellieren sie gegen das Erziehungs- und Bildungsideal ihrer Elterngeneration. Nach dem Vorbild der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (16), treten jeden Freitag Millionen Kinder in den Schulstreik und gehen auf die Straßen, anstatt ins Klassenzimmer. Überall auf der Welt formieren sich immer neue „Fridays for Future“ Gruppen – ob in Hongkong, Grönland, auf den pazifischen Inseln, in Chile oder Kanada.

Die Bewegung ist binnen weniger Wochen zur größten Jugend-Klimabewegung aller Zeiten geworden und birgt eine immense Kraft in sich, die politischen Fundamente und die Laissez-faire-Mentalität vorangehender Generationen ins Wanken zu bringen. Dabei zeigen die Kinder mit ihrem Kampfgeist und ihrer unaufhaltsamen Lebensfreude, dass Veränderung möglich ist. Denn das, was dafür nötig ist, ist in jedem Einzelnen von uns veranlagt.

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